Posts mit dem Label Räuchern | Incense werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Räuchern | Incense werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 15. September 2009

schwitzhütte | indian summer with sweat lodge


Nach fast 90 Tagen Regenwetter haben wir diese 10 Tage verdient. Sonne pur. Dazu mal wieder eine Schwitzhütte. Gebaut aus Hasel- und Weidenzweigen. Auf dem waldigen Teil unseres Grundstückes - von einem Bächlein umflossen. | After almost 90 days of rain we deserved a nice Indian summer. We had a sweat lodge on one of the most beautiful spots of our property, a woodland surrounded by a slightly cascading stream.


Die Feuermeisterin bereitet die glühenden Steine vor. | Wood and stone are being prepared for the fire.


Sie müssen richtig schön durchglühen. | The stones have to become extremly hot.


Um die Hütte herum ist es schön geschmückt. | The place is nicely decorated.


Die Hütte wird mit hellen und dann mit dunklen Wolldecken von Gruppenleitern und Teilnehmern abgedeckt. | The lodge is covered with woolen blankets (the last layer with dark ones) by the participants.


'Indianer' Uwe ist einer der beiden Leiter der Zeremonie. Nun heißt es vier Runden in tiefster Dunkelheit schwitzen, seinem Körper lauschen, Weihrauch schnuppern und die Alltagsgedanken hinter sich lassen. | Now we can sweat, concentrate on our body, forget our thoughts, be really present.


Danach wird wieder aufgetankt: mit feiner Gemüsesuppe, gekühltem Zitronenverbenentee (und einem Tröpfchen Zitronenmyrtenöl in Agavensirup) und Orangenöl-Schokoladenkuchen, serviert auf meiner Massagebank. | And enjoy a vegetable soup, tea, water and cold lemon verbena infusion with the essential oil of lemon myrtle. Served on my massage couch.


Auch die Augen dürfen mitessen. | Indian summer decoration for the eyes.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Kurseindrücke | Impressions


Auf vielfachen Wunsch ein paar Zwischen-Impressionen des laufenden Kurses. Neben einigen Exkursionen in die Aromakräuter- und Wildkräuter-Welt Südwest-Irlands haben wir die Theorie der Myrtengewächse durchgenommen. Das sind Myrten, von denen hier einige Arten wachsen (zB Myrtus lechleriana und Myrtus communis), Chilenische Myrte (Luma apiculata), Leptospermum scoparium (Manuka, der gerade anfängt zu blühen) und zahlreiche unterschiedliche Eukalyptusarten. Es zählen auch Gewürznelken und Piment (Lebkuchengewürz Nelkenpfeffer) dazu, welches wir destilliert haben.


Ich richte die Destille ein, sie wird mit einer Pampe aus Roggenmehl abgedichtet. Diese tolle Kupferdestille ist von einer Gruppe von Deutschen, die eine interessante Kampagne machen, damit Europäer die Produkte ihres Gartens destillieren dürfen, also beispielsweise Apfelschnaps. Das ist in Deutschland zur Zeit nur sehr bedingt möglich, Destillen über einer bestimmten Mini-Größe zu besitzen ist illegal. Aber schaut selbst nach bei Natural Born Destiller.


Auf Garinish Island, der berühmten Garteninsel hier in Glengarriff, wurde gestaunt und gelacht und eine Übung gemacht, wie es einst der "Vater der Taxonomie" (Klassifizierung der Pflanzen in Gruppen) Linné gemacht hat: Es mussten Staubgefäße und Griffel in den Blüten gezählt werden, dazu die Blützenform, Farbe, Blätter etc skizziert werden. Weil man sonst eher unaufmerksam solchen Details gegenüber vorbei zieht.


Auch ein blinder Teilnehmer konnte wunderbar mitmachen, hier tastet er die super-samtweichen Blattunterseiten von Rhododendron yakushimanum ab.


Wollt ihr mit zählen?


Rückfahrt: müde und belustigt über die Robben in der Bucht.


Gestern Abend Schwitzhütte. Jeden Mai zweimal.


Schwitzhüttenmeister Uwe reinigt alle Teilnehmenden mit einer Salbeiräucherung.


Die ersten Steine sorgen bereits für reichlich Hitze, dazu erfreut die Räucherung mit Sweetgrass.

Mittwoch, 5. November 2008

Schweben auf Adlers Schwingen

Heute kam ein "Care-Paket" aus Deutschland, wunderbare Naturkosmetik, ohne die ich nicht gerne auskommen möchte. In einer wunderschönen Rosenserviette lag dazu ein Geschenk an mich. Drei unscheinbare Stückchen eines dunkel-gefleckten Holzes, vielleicht 20 Gramm schwer. Da ich gerade am Vorabend Sägemehl und Holzstückchen von der Baustelle unserer Veranda zusammen gekehrt hatte, musste ich schmunzeln: Diese Holzstückchen hätte jeder andere mit in den Feuerholz-Korb gegeben.
Dann wären jedoch viele zig Euro mit verbrannt. Vielleicht wäre nur ein eigenartiger Duft aus unserem geschlossenen Bollerofen entwichen. Denn es handelt sich um Adlerholz, Aquilaria malaccensis Lam. [früher: Aquilaria agallocha Roxb.], dessen beste Qualitäten einen höheren Grammpreis als Gold erzielen. Das ätherische Öl ist nur bei gut sortierten Firmen erhältlich, inzwischen meistens verdünnt. Das daumennagelgroße Fläschchen hat mich vor Jahren bereits ein kleines Vermögen gekostet!
Dieses auch unter dem geheimnisvoll klingenden Namen Oud bekannte ätherische Öl ist sicherlich auch der ungewöhnlichste Duft, den wir für die Aromatherapie zur Verfügung haben. Gleichzeitig ist es eines der teuersten ätherischen Öle der Welt: 1 ml kostet je nach Firma 70 Euro und mehr. In der Bibel wird diese Pflanze unter oft unter dem Namen Aloeholz oder Aloth (Agarwood) als Kostbarkeit erwähnt.
Der begehrte Duftstoff kann nur gewonnen werden, wenn dieser bis zu 40 Meter hohe Tropenbaum aus der Familie der Seidelbastgewächse (Thymelaeaceae) von einem Pilz (Aspergillus niger) befallen wird und wenn anschließend über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte entsprechende Abwehr- und/oder Heilungs-Reaktionen im Holz stattfinden, die zur Absonderung dieses schweren rauchig-erdigen Duftstoffes führen. Spezialisierte Duftstoffjäger dringen immer tiefer in die Regenwälder Vietnams, Kambodschas, Koreas oder von Laos ein, um infizierte Bäume zu finden. Dabei werden auch (noch) nicht-infizierte Bäume zerstört, da man den Befall nicht unbedingt von außen sieht.
Da das heiß begehrte Agarwood sowohl für die Herstellung von hochwertigem japanischen Räucherwerk unentbehrlich ist als auch – bis zur Erfindung des pharmazeutischen Produktes – als hoch wirksames pflanzliches „Viagra“ galt, muss Aquilaria malaccensis und auch etliche andere Aquilaria-Arten als fast ausgerottet eingestuft werden. Ausführliche Informationen dazu (in englisch) von Cropwatch vom britischen Nachhaltigkeitsspezialisten Tony Burfield.
Aufzucht der Bäume in Plantagen und die Infektion durch Menschenhand haben noch nicht zu befriedigendem Ersatz geführt, der Faktor Zeit kann eben nicht beschleunigt werden. Zudem kann man die Bäume nicht "einfach so" mit dem Pilz "impfen", nur 10 Prozent der Bäume erzeugen diese harzartige Substanz. Das "Impfen" kann man auf diesem nicht sehr guten Filmchen sehen.
Aus den Holzstückchen von infizierten und gereiften Bäumen wird mit Wasser eine Maische gebildet und diese dann - oft vor Ort mitten im Wald - destilliert.
Wenige ätherische Öle berühren Menschen so tief wie dieser Duft. Er hat so viele Facetten wie Inhaltsstoffe, die meisten davon im Einprozent-Bereich oder gar weniger. Die Beschreibungen reichen von verbrannt, modrig, erdig über pudrig, balsamisch, warm-einhüllend. Ich habe ihn in meinem zweiten Buch "Das Zugang-zur-Tiefe-der-Seele-Öl" genannt. Eine meiner Kursteilnehmerinnen brach in der Sekunde des ersten Schnupperns an diesem Duft in Tränen aus. Nach einer Räucherung mit "Eaglewood" passieren in Träumen oft seltsame oder wenigstens auffällige Dinge. Euphorie und Hochgefühle (Fliegen wie ein Adler) ergreifen manche Menschen, je nachdem, in welchem Seelenzustand sie sich gerade befinden.
Schon auf Grund des hohen Preises ist Adlerholz kein Alltagsöl, es wird wohl auch kaum für die körperlichen Indikationen wie Krampfadern und Hämorrhoiden eingesetzt werden. Es schenkt einem vielmehr eine kleine Auszeit aus dem Alltagstrott, es führt in einen Besinnungsmoment auf das Wesentliche und kann als Verwöhnöl für sich oder seine(n) Liebste(n) das sprichwörtliche Hohe Lied der Liebe olfaktorisch untermalen. Dafür verdünnt man es maximal 0,5-prozentig und mischt es mit feinen Lieblingsölen wie Champaca, Jasmin oder Vanille in Jojobaöl. Oder ganz biblisch mit Myrrhe, Weihrauch und Rose sowie jeweils einer Spur Kalmuswurzel und Cassiazimt. Eine solch biblisch inspirierte Mischung kann man in Deutschland als Körperöl oder auch pur für die Räucherlampe bei Professor Wabner's Ätherische-Öle-Firma Wadi erwerben.
In Japan, dem eigentlich recht westlich orientierten Land, spielt die Räucher-Zeremonie des Duft-Lauschens noch einen hohen Stellenwert: Kodo. Sie ist ohne Adlerholzduft nicht denkbar. Die abgebildeten Räucherstäbchen der Firma japanischen Traditionsmanufaktur Shoyeido duften deutlich nach Oud und laden zur Achtsamkeit und Sparsamkeit ein: Das Päckchen hat mich mal fast 60 DM gekostet! Aber sie sind es wert, man benötigt ohnehin nur wenige Zentimeter für einen wundervollen Duft im Zimmer.
Wer englisch lesen kann, sollte sich auf folgenden zwei Websites die Artikel über die Hintergründe der Gewinnung von Adlerholz lesen: Trygve Harris, ein Fachfrau für erlesene ätherische Öle aus New York berichtet über eine Reise in die Adlerholz-Wälder und zeigt auch sehr informative Fotos. Düfte-Experte und Indienreisender Christopher McMahon vermittelt auf seiner sehr informationsreichen Website auch wichtige Infos über Oud.