Mittwoch, 22. Dezember 2010

bizarr | bizarre


Was für ein Tag! Seit Tagen sind wir ständig damit beschäftigt, entweder den "Regen" von unseren Zimmerdecken aufzufangen und abzuwischen (Kondenswasser vom Inneren des Daches auf dem nur mäßig isolierten Haus, hier wurde noch nie für längere Frostperioden gebaut) oder wir kratzen und fegen Schnee und Eis irgendwo weg. Die vollmondige Mondfinsternis ging fast unter... | What a day! For days we had been busy clearing either snow or ice somewhere around the house or wiping "rain" from our ceilings as dampness is condensing below our badly insulated roof and dripping through gaps. We couldn't really enjoy the beautiful eclipse as we noticed...


... als klar wurde, dass nun auch unsere Wasserleitung, circa 30 Meter vom Tiefbrunnen ins Haus, zugefroren war. Als ab zu einem von unseren zwei Bächen, alle verfügbaren Gefäße mit Wasser gefüllt (auch bereits einige Stellen zugefroren) und mühsam berghoch ins Haus geschleppt. | ...that our water supply froze, it's a 50 yard pipe from the deep well into our house. So we marched to our stream (which also started to freeze) and collected water in as many buckets and jars as possible.


Obwohl die hinter dem Haus stehende Gasflasche inzwischen einen Schal aus Schafffell sowie drei alte Filzjacken trägt, ist das Gas eingefroren, Badewasser und Tee werden auf dem Bollerofen aufbereitet. Mittags erwärmt die warme Sonne alle Leitungen und wir überlegen, was wir möglichst ohne Wasser gekocht zum Mittagessen haben werden (gegrilltes Gemüse, Quinoabratlinge und Tomatensoße). Derweil packt unsere Praktikantin ihre Sachen ein, um heim zu fliegen. | The gas froze too so we heated bath water and tea on the wood burner. While considering what to cook without water the sunny wheather opened all the pipes and we drove to the school.


Die Fahrt zur Schule um 14 Uhr wird durch ein zartes Schneetreiben zur Rutschpartie, doch sind erstaunlich viele Eltern versammelt, um sich "Cinderella" (Aschenputtel), was die Kinder wochenlang vorbereitet hatten, anzuschauen. Plötzlich wundern wir uns, dass sechs oder sieben Mütter wie von der Tarantel gestochen mit ihren Handys umherfucheln und wir hören, dass erstens der Empfang nicht klappt und zweitens die Schulen der Großen "einfach so geschlossen" wurden, sie können zusehen, wie sie über die inzwischen dick zugeschneiten Straßen nach Hause kommen. Hatte die Schuldirektorin nach der Theateraufführung nach gesagt, dass morgen (also heute) der Unterricht eventuell ausfallen könnte, korrigierte sie sich nach 5 Minuten, dass die Schule wohl geschlossen bleiben würde. Kaum hatten alle ihre Mäntel an, wünschte sie schöne Ferien und ein gutes Neues Jahr; es war irgendwie bizarr. | The roads were starting to become white as it started snowing. Even though many parents came to watch Cinderella. Suddenly man mothers were nervously chatting and fiddling with their mobile phones. We learnt that the secondary schools were closed spontaneously and all bus services shut down. The principal changed her mind within ten minutes: We might have to close tomorrow - we will probably close tomorrow - Happy New Year!


Wir kommen noch mit Ach und Krach nach Hause, um den Großen anzurufen, ob wir ihn abholen sollen, doch nun sind wir eingeschneit, das Auto schafft die drei Buckel zur Hauptstraße nicht mehr, dort liegen ohnehin etliche Lastwagen quer. Der Dubliner Flughafen ist inzwischen geschlossen, keine Bus- oder Taxifirma bewegt sich mehr, die Praktikantin muss Weihnachten in der Fremde verbringen, auch der Nachbar, der heute nach Deutschland zu seinen Kindern fliegen möchte, bereitet sich auf einsame Tage im 9 Grad kalten Haus vor. Der Schuldirektor schickt eine SMS-Entschuldigung, der Große muss vorerst bei Freunden unterkommen (war er natürlich cool findet). Die Geschäftsinhaber weinen, weil das Letzte-Sekunde-Geschäft in diesen schweren Zeiten auch noch ausfallen wird. Wie die Menschen an ihre traditionellen Truthahnbraten kommen werden, steht auch in den Sternen, aber inzwischen fallen erste kerosinbetriebene Heizungen bereits aus, da der Treibstoff, der sich in einfachen Plastiktanks in den Gärten befindet (es gibt keine Keller in den Häusern), einfriert, so dass die Öfen ohnehin kalt bleiben müssen. Was die Menschen in den einfachen Steincottages mit nur einer kleinen Feuerstelle derzeit machen, mag ich mir gar nicht vorzustellen. Ab dem 26.12. soll Tauwetter einsetzen. Soviel zur globalen Erd-Erwärmung. | We could barely make it home to ring our older son who saw no way of coming home, we tried it up the road but had to give up after the first hill which the car only made after a few dangerous attempts. Dublin airport shut down and our apprentice fell into depression as she cannot go home for Christmas. Meanwhile the principal from the secondary school sent a text of apologies (the teachers had to rush home before the roads were closed [ooops, what about the pupils...]), our older son had to spent the night at a friend's house (and tonight? and tomorrow?), some family's kerosine is frozen so they cannot heat their house and who they will buy their turkey is written in the stars. Thaw will set in around the 26th...


Kommentare:

Regina P. hat gesagt…

uiuiui, das klingt ja nach totalem Chaos. Das Schlimmste finde ich, ist zu frieren im Haus. Das Wetter ist schon merkwürdig, hier in FFM taut heute auch die ganze Pracht wieder dahin. Ständiger Wechsel.
Ich drücke Euch die Daumen daß sich das Wetter hoffentlich bald wieder normalisiert und ihr einigermaßen schöne Feiertage verbringen könnt.
LG
Regina

Claudia hat gesagt…

Oh Eliane... mir wird schon vom lesen noch kälter... da brauche ich über das bißchen Kondenswasser an den Scheiben wohl nicht mehr rummöckeln...

Trotzdem wünsche ich Euch schöne Weihnachten!

Ganz liebe Grüße!
claudia

Herr M hat gesagt…

Liebe Eliane,
das klingt wirklich sehr bizarr.
Das ist ja jetzt schon der zweite Winter in Folge, dass es bei Euch so kalt ist.
Nicht heizen können, kein Wasser, das sind ganz schöne Herausforderungen.
Da sich mein Sohn ein Guinness zu Weihnachten gewünscht hat, werden ich eines auf Euch trinken.
Trotz allem Frohe Festtage, soweit es geht.
Liebe Grüße
Herr M

bauchundnase hat gesagt…

Hallo Eliane,
mein Mann (und noch andere Leute) sind der festen Überzeugung, das dieses Wetter sich wohl so halten wird: kalte schneereiche Winter und kurze heiße Sommer. Das heißt aber, dass sich diverse leute darauf einstellen müssen, hier in Deutschland ebenso wie bei euch in Irland. Ich würde sagen, da ist es noch notwendiger. Keller, Leitungen, die tief genung liegen, eine gescheite Isolierung! Ist wahrscheinlich leider eine Kostenfrage, oder?
An eurer Stelle würde ich mir aber zumindest Winterreifen (und vielleicht einen Allrad) zulegen, dann seid ihr in Irland die Kings.
Trotz allem wünsche ich euch besinnliche Weihnachten und hoffentlich wärmere Tage!

Renate D. hat gesagt…

Hallo Eliane,
das klingt ja alles ganz schrecklich - und das zu Weihnachten!
Wenn ich das Schnee-Foto ansehe, kann ich mir gar nicht vorstellen, dass wegen so wenig Schnee das Chaos ausbricht (verkehrsmäßig meine ich).
Aber frieren müssen und eingefrorene Wasser- und Gasleitungen sind ein echter Horror!
Da kann ich Dir nur grüne Weihnachten mit etlichen Plus-Graden wünschen!
GLG Renate D.

Heidi hat gesagt…

Oh Eliane, das hört sich ja schlimm an. Erinnert mich an Kinderzeiten. Was für eine Arbeit, das Haus bewohnbar zu halten... Ich denke an Euch und wünsche Euch trotz allem ein schönes Weihnachtsfest. Da heißt es, die dicken Wolldecken vorzuholen...
LG Heidi

Akaleia hat gesagt…

Mensch Eliane, in unserer hochtechnisierten Welt setzt uns dieses Winterwetter einfach ausser Gefecht - wenn es nicht zu traurig wäre müsste man lachen, oder?
Bitter ist es tatsächlich in Euren Breiten, denn hier sind die Häuser dementsprechend gebaut - samt Heizungen!
Ich wünsche Dir und Deiner Familie trotzdem alles Gute und frohe und hoffentlich nicht zu kalte Stunden
LG
Birgit

Beatrice hat gesagt…

Ach Eliane, das tönt ja schrecklich, ich würde dir so gerne ein paar Grad C von meiner schön geheizten Wohnung abtreten, doch auch meine warmen Gedanken werden euch kaum wärmen,es wird euch höchstens ein wenig wärmer ums Herz bei all der Anteilnahme in diesem Blog.Habe eben mein Profilfoto geändert in ein loderndes Feuer, Du siehst ich lasse nichts unversucht...
Herzerwärmende warme Grüsse
Beatrice

petra-alisha hat gesagt…

Ziemlich heavy, was Ihr da momentan mitmacht. Irland scheint irgendwie noch nicht wirklich im 21.Jh angekommen zu sein, dass bei den paar Zentimetern Schnee und Frost der Notstand ausbricht....Keine Winterreifen, keine Schneeketten, dürftig isolierte Häuser usw....
Ich stelle es mir ziemlich schrecklich vor....

Ich wünsche Euch, dass sich die Lage in Kürze entspannt und Ihr zur sog. Normalität zurück kehren könnt !!!

Elisabeth Firsching hat gesagt…

Irgendwie scheint der Klimawandel in die verkehrte Richtung loszugehen...
Ich wünsch euch milde Winde und Regen, damit alles wieder seinen gewohnten Gang gehen kann!
Liebe weihnachtliche Grüße und ein gemütliches Fest ohne Schneefall und Eis!
Elisabeth

UlliPulli hat gesagt…

Liebste Eliane!

Das sieht ja heiter aus bei euch! Ich hoffe, die Lage entspannt sich bald und ihr könnt das Weihnachtsfet ohne frieren und bibbern verbringen. Herzenswarme Grüsse aus dem verschneiten Deutschland schickt euch

Ulrike!